Die passive Steuererklärung

Wenn du meinen Blog bereits verfolgst, weißt du, ich bin ein großer Fan vom „Passiven“. So lege ich mein Geld ganz passiv in ETFs oder in P2P Kredite an. Auch drum herum versuche ich möglichst viel passiv laufen zu lassen. Zum Beispiel mein passives Haushaltsbuch. Meine Buchführung kostet mich nur wenige Minuten im Monat und ich habe einen tollen und aussagekräftigen Überblick.
Natürlich mache ich auch bei meiner Steuererklärung keinen Halt. Diese nervige Arbeit muss doch auch irgendwie „Passiv“ zu erledigten sein?
Am liebsten würde ich bequem auf dem Sofa sitzen und ein Käffchen trinken und die Steuererklärung macht sich ohne mein Zutun. Gut, ein paar Fragen würde ich noch beantworten. Aber mehr auch nicht.
Und siehe da, man kann die Steuererklärung so einfach über die Bühne bringen. Du willst wissen wie? Na dann viel Spaß beim lesen.


Die nervige Steuerklärung

Jedes Jahr werden du und ich von der Steuererklärung geplagt. Diese muss meist bis zum 31.05. beim Finanzamt vorliegen. Jedes Jahr aufs Neue eine aktuelle Software suchen und sich ein Wochenende hinsetzen und versuchen das irgendwie hinzubekommen. Es gibt schönere Dinge mit denen man sich beschäftigen kann.
Am Ende hat man dann doch seine Steuererklärung  irgendwie geschafft. Nun plagt dich ein großes Aber:

  • hast du wirklich alles zu deinem Vorteil ausgeschöpft?
  • hast du alle Freibeträge voll ausgeschöpft?
  • hast du alles Fehlerfrei gemacht?
  • hast du alle nötigen Kopien und Belege zusammen?
  • hättest du nicht doch Chancen dein Arbeitszimmer abzusetzen?
  • usw. usw.

Jeder, der seine Steuererklärung einmal selbst gemacht hat, kennt eine oder mehrere dieser Fragen. Warum sich jedes Jahr da aufs neue durch quälen? Das muss doch einfacher gehen?

Die Lohnsteuerhilfevereine

Es gibt einen einfacheren Weg. Die Lohnsteuerhilfevereine in Deutschland bieten kompetente Hilfe an.
Ein Verein für die Steuererklärung?
Ja! Und das ist eine wirklich feine Sache.
Es gibt eine ganze Reihe an Lohnsteuerhilfevereinen in Deutschland. Ich bin seit 8 Jahren bei der VLH – Vereinigte Lohnsteuerhilfe. Stiftung Warentest hat Anfang des Jahres ein paar Vereine getestet. Die Auswahl ist groß, auch in deiner Nähe sollte sich ein solcher Verein finden lassen.

Wie funktioniert der Verein?

Man wird Mitglied und bezahlt eine Mitgliedsgebühr (die wiederum von der Steuer absetzbar ist). Der Beitrag richtet sich nach deinem Bruttoeinkommen und beginnt bei 39 Euro. Eine Tabelle der Jahresgebühr der VLH findest du hier. In der Gebühr enthalten ist nicht nur das Erstellen deiner Steuererklärung, sondern auch eine ganzjährige Beratung zu deinen Fragen rund um das Thema Steuererklärung. Also alles was dich das Jahr über an Fragen quält. Hast du Fragen zum Thema Kindergeld, Abgeltungssteuer, Freibeträge, Umzug, Steuerklassenwechsel usw. kannst du da einfach in deiner Beratungsstelle anrufen und deine Fragen klären lassen. Dieser zusätzliche Aufwand ist in dem Mitgliedsbeitrag bereits enthalten, durch weitere Fragen kommen keine weitere Kosten hinzu.

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Der Unterschied zum Steuerberater

Natürlich kannst du deine Steuererklärung auch bei einem klassischen Steuerberater machen lassen. Hier hast du aber nicht die Möglichkeit den Steuerberater, ohne weitere Kosten, das ganze Jahr über mit Fragen zu löchern.
Einen weiteren Vorteil des Lohnsteuerhilfevereins ist, dass der Verein wirklich alles für dich macht. Die übernehmen die komplette Kommunikation mit dem Finanzamt. Beantworten alle Fragen, legen Einspruch für dich ein und klagen für dich im Extremfall. Eine Klage habe ich zwar noch nicht machen müssen aber sie ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.
Wenn dir der Steuerberater des Vereins sagt, dass du folgende Leistung/Rückzahlung vom Finanzamt erwarten kannst und sich das Finanzamt quer stellt, dann legt man für dich Einspruch ein und verwaltet diesen auch für dich. Sollte der Einspruch keinen Erfolg haben, geht man bis zum Gericht, ohne das du hier großen Aufwand hättest.

Lohnt sich der Mitgliedsbeitrag?

Diese Frage muss jeder für sich selbst klären. Der Beitrag startet ab 39€. Für 39€ wirst du keinen selbstständigen Steuernerater finden.

Je höher das Jahreseinkommen umso höher der Beitrag. Hier erreicht man schnell auch die Kosten, für einen klassischen Steuerberater. Der Verein bietet dir allerdings eine Jahresflatrate. Nun musst du für dich selbst schauen, wie oft du steuerrechtlichen Fragen hast.

Warum ist der Verein günstiger als ein Steuerberater?

Über diese Frage kann ich nur spekulieren. Zum einen hat der Verein gestaffelte Mitgliedsbeiträge von 39 Euro bis zu 330 Euro jährlich. Hier wird sicherlich eine Mischkalkulation dahinter stehen. Geringverdiener zahlen weniger, Gutverdiener etwas mehr.
Zum anderen ist der Verein absolut auf die Erstellung der Steuererklärung getrimmt. Die Steuerberater machen wirklich den ganzen Tag nichts anderes als eine Steuererklärung nach der Anderen. Selbst bei meiner letzten Steuererklärung, die gefühlt kompliziert war, habe ich nie länger als 1 Stunde da gesessen. Inklusive Small-Talk. Wenn da nichts besonderes anliegt, ist man da auch in 30-40 Minuten durch.
Zudem haben nicht alle Mitglieder jedes Jahr ausser der Reihe Fragen und Anliegen, die geklärt werden müssen.
Von daher bin ich mir sicher, dass hier die Mischkalkulation den Verein trägt. Zudem ist es ein Verein, der keine Gewinnabsichten anstrebt.

Wo sind die Beratungsstellen?

In jeder größeren Stadt findet sich ein Steuerberater der dem Verein angeschlossen ist. Ich wohne auf dem Land und im Umkreis von ~20km finden sich 6 Beratungsstellen. In Hamburg z.B. sind es 21 Stellen. Alle Beratungsstellen der VLH findest du hier.


Fazit zur passiven Steuererklärung

Vor ein paar Wochen war ich bereits zur 8. passiven Steuererklärung bei meinem Steuerberater der VLH. Ich bin wirklich mehr als zufrieden. Man bringt einfach alles an Unterlagen mit, die man für relevant hält. Setzt sich auf die Couch, trinkt einen Kaffee und lässt den guten Mann seine Arbeit machen. Der Steuerberater stellt eine Frage nach der anderen, die man beantwortet.
Nach gut einer Stunde ist die Steuererklärung fertig. Nun erfährt man direkt, mit welcher Kostenerstattung man rechnen darf. Eine Nachzahlung hatte ich in den 8 Jahren noch nie!
Zudem bekommt man gesagt, welche Unterlagen noch alles fehlen. Diese schickt man einfach per Mail, Post oder bringt sie vorbei.
Für mich ist dieser Verein Gold wert. Natürlich hängt es auch am jeweiligen Steuerberater, den man in der Beratungsstelle erwischt. Ich habe das Glück, dass ich meinen Steuerberater sehr schätze und ihn für sehr kompetent halte.
Außerdem ist der Verein mir auch außer der Reihe mehrfach eine Hilfe gewesen. Sei es beim berufsbedingten Umzug, Hauskauf, Heirat (optimale Steuerklassenwahl), Geburt/Kinder/Betreuung, Arbeitszimmer usw.

Jeder der seine Steuererklärung selbst macht, kann ich nur empfehlen einen solchen Verein einmal zu testen. Vielleicht können die Steuerberater mehr für dich raus holen.

Wie machst du deine Steuer? Bist du vielleicht auch Mitglied eines Lohnsteuerhilfevereins? Dann würde mich deine Meinung umso mehr freuen!

 

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13 Gedanken zu „Die passive Steuererklärung

  • 11. Juli 2017 um 22:44
    Permalink

    Hallo Sebastian,
    ich frage mich, worin der Unterschied zum Steuerberater liegt und warum der Lohnsteuerhilfeverein so viel günstiger ist, als ein Steuerberater.
    Ich verstehe, dass die Vereine sich an Privatpersonen richten, also ist das ganze unternehmerische Thema außen vor gelassen, aber dennoch kann ich die großen Preisunterschiede beispielsweise für die private Einkommensteuererklärung nicht nachvollziehen.
    Hast Du dazu eine Idee?

    BG
    Yanneck

    Antwort
    • 12. Juli 2017 um 7:26
      Permalink

      Hallo Yanneck,

      danke für dein Kommentar.
      Ja, leider bin auch ich nicht fehlerfrei 🙂
      Eigentlich war der Artikel erst für nächste Woche geplant. Gestern Abend wollte ich nur eben kurz einmal quer lesen. Und Zack, den falschen Knopf gedrückt.
      Natürlich wollte ich auch diese Frage klären und habe den Unterschied zum Steuerberater nun im Artikel noch ergänzt.

      Schöne Grüße
      Sebastian

      Antwort
  • 12. Juli 2017 um 8:45
    Permalink

    Danke für den Tipp. Klingt gut, ich schau mir das mal näher an.

    Antwort
  • 12. Juli 2017 um 12:12
    Permalink

    Bin auch seit einigen Jahren bei einem kompetenten Berater der VLH und bisher sehr zufrieden. Zahle ca. 160€ für meine Steuererklärung, bekomme aber immer mehr raus 🙂

    Antwort
    • 12. Juli 2017 um 18:34
      Permalink

      Ja, die Mitgliedschaft rechnet sich meistens. Auf der Webseite gibt die VLH an, dass es durchschnittlich über 1000€ Rückerstattung pro Mitglied gibt.

      Antwort
  • 14. Juli 2017 um 3:04
    Permalink

    Zur Frage, wo der Unterschied zum Steuerberater liegt, hilft ein Blick in § 4 Nr. 11 StBerG. Dort heißt es so schön, dass Lohnsteuerhilfevereine nur zu einer “beschränkten“ Hilfeleistung in Steuersachen befugt sind. Beschränkt bedeutet in diesem Fall, dass der Verein insbesondere beschränkt ist auf Einkünfte von Arbeitnehmern.

    Sobald du Unternehmer bist oder deine sonstigen Einkünfte (Dividenden, Mieteinnahmen) einen zu großen Umfang haben, kommst du am Steuerberater nicht vorbei.

    Für alle anderen sind die Lohnsteuerhilfevereine ideal.

    Antwort
    • 14. Juli 2017 um 20:43
      Permalink

      Ja, das ist korrekt. Als Unternehmer z.B. kann man den Verein nicht nutzen.
      Das bekommt man aber auch dort offen kommuniziert.

      Antwort
  • 14. Juli 2017 um 9:58
    Permalink

    Meiner Meinung nach dürfte für den Durchschnittsbürger das eigene Erstellen der Steuererklärung mit ein bisschen Übung kein Problem sein.
    Man muss sich in der Regel nur einmal intensiv damit beschäftigen.
    Ich mache unsere Steuererklärung jetzt schon seit mehreren Jahren ohne Hilfen von außen. Am Anfang fand ich auch vieles verwirrend und unklar, mit der Zeit konnte ich aber immer mehr von der Thematik lernen und verstehen. Ursprünglich hatte ich mir ein Computerprogramm für 30 € gekauft. Das war anfangs ein sehr gutes Hilfsmittel.
    Ich denke auch nicht, dass man sich jedes Jahr die jeweils aktuelle Version des Programms kaufen muss. In der Regel verändert sich in der Steuergesetzgebung nicht so viel, dass dies nötig wäre.
    Alternativ würde ich empfehlen, dass man sich einmalig von einem Steuerberater oder einem Verein die Steuererklärung erstellen lässt und dann in den Folgejahren darauf selbst aufbaut.
    Passive Steuererklärung hört sich ja ganz gut an, aber richtig schön ist es doch, wenn man nix bezahlen muss und die Rückzahlung voll und ganz für sich beanspruchen kann:-)

    Antwort
    • 14. Juli 2017 um 20:45
      Permalink

      Klar bekommt man seine Steuererklärung auch selbst gemacht. Vor allem wenn man die Lust dazu hat, sich mit dem Steuerrecht zu beschäftigen.
      Ich habe nicht die Lust dazu 🙂
      Zumal gibt es so viele Möglichkeiten, mit Freibeträgen und Kostenangaben zu arbeiten, die so nicht im Detail vom Finanzamt kontrolliert werden. Da profitiert man halt auch von den Erfahrungswerten der jeweiligen Steuerberater.

      Antwort
  • 14. Juli 2017 um 15:21
    Permalink

    Also für ne einfache Steuererklärung braucht man bei entsprechender Software ähnlich lange. Wer aber wirklich gar keine Zeit investieren will, ist damit gut beraten.

    Ehrlich gesagt, dachte ich so ein Verein wäre etwas für mich. Denn sobald Nebenverdienst oder ausländische Zahlungen dazu kommen, wird es ziemlich bunt in Deutschland.
    Da scheint es dann aber keine Unterstufe zu geben, sehr schade 🙁

    Antwort
  • 14. Juli 2017 um 20:47
    Permalink

    Was meinst du mit „ausländische Zahlungen“?
    Also ich habe für 2016 meine ganzen P2P Zinsen angegeben, das hat den Steuerberater der VLH nicht gestört. Es hat zwar ein paar Minuten gedauert, ihm zu erklären was das genau ist 🙂

    Schöne Grüße
    Sebastian

    Antwort
  • 14. Juli 2017 um 22:53
    Permalink

    Mich würde es zwischen 160 und 200 Euro kosten. Ich bekomme meist 2000 – 5000 Euro wieder (doppelter Haushalt)… ziemlich miese Rendite, da mach ich das lieber selber.

    Der eigentliche Grund ist aber ein anderer: Nur, wer sich selbst mit seinen Steuern befasst, erkennt, wie die arbeitende Mittelschicht vom Staat systematisch beraubt und verarscht wird. Wenn man sich erstmal mit den (politisch gewollten) Fehlern des Steuersystems beschäftigt hat, wählt man ganz anders…

    Antwort

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