Do it yourself – Was DIY-Investoren beachten müssen

Es mag viele Gründe geben, dem Anlageberater den Rücken zu kehren und es im Do-It-Yourself (DIY-Investor) zu versuchen. Geht es den einen um die Ersparnis der Vermittlungsgebühren, sind die anderen unzufrieden mit dem Service oder den Renditen. Den ein oder anderen Anleger treibt auch ein gesundes Misstrauen an und er ist es leid, das Tun und Handeln des Finanzberaters unentwegt zu kontrollieren und zu überprüfen. Angesichts der Fülle von Handelsplattformen und Online-Research-Tools ist die Verlockung in der Tat groß, den Einstieg ins DIY-Investment zu wagen. Warum auch nicht?

Was ein DIY-Investor alles zu beachten hat

Fast scheint es, als könnten Crashs der Börse nichts anhaben. Zumindest wäre innerhalb von 15 Jahren ein Gewinn von 14.220 Euro drin gewesen, wenn du mit Beginn der Jahrtausendwende Monat für Monat lediglich 100 Euro in einen breit diversifizierten Weltaktiensparplan gesteckt hättest. Weder die Dotcom-Blase 2000 noch die Weltfinanzkrise der Jahre 2007 und 2008 vermochte die durchschnittliche Jahresrendite von 7,36 % zu schmälern.

Ähnlich erfreulich sind die Zukunftsaussichten, nachdem Analysten der Schweizer Großbank Credit Suisse eine jährliche inflationsbereinigte Aktienmarktrendite von 5 Prozent im kommenden Jahrzehnt für realistisch halten. Eine Rendite dieser Größenordnung reicht vollkommen hin, um bei einer monatlichen Sparrate von 100 Euro mit einem ETF-Sparplan, nach 35 Jahren auf ein Guthaben von 111.320 Euro zu blicken.

Alles, was es dazu braucht, ist, sich die Empfehlung André Kostolanys zu Herzen zu nehmen. So riet die Börsenlegende einst, Aktien zu kaufen, Schlaftabletten zu nehmen und die Papiere nicht länger anzuschauen.
Das würde ich aber nur bei breiten und soliden ETFs empfehlen, am besten noch auf große Indizes. Bei einzelnen Titeln im Depot, halte ich blindes Buy & Hold weiterhin für einen Trugschluss, der nach hinten losgehen kann.

Der DIY Anlager geht an die Börse
Die Börse ist für den DIY-Investor meist die erste Wahl

Sparbuch ade: Verzinsung von 0,2 % unter aller Kanone

Gemessen an den Aktien sehen die Sparbücher alt aus. Immerhin lag der Sparbuchzins 2017 im Schnitt bei 0,2 %, während er 2008 immerhin noch stattliche 2,5 % betrug. Da können einem fast die Tränen in die Augen kommen.

Es überrascht deshalb wenig, dass der Stern des Sparbuchs im Sinkflug ist und sich bereits 2016 nur noch 22 % der Deutschen dafür erwärmen konnten, während es ein Jahr zuvor noch 31 % waren. Wenn du mithin als Fonds- oder Wertpapierinvestor endest, stehst du beileibe nicht allein auf weiter Flur. Denn immer mehr DIY-Investoren nehmen ihr finanzielles Schicksal selbst in die Hand.

Alles im Blick: Rücklagen im Gepäck

Jedes Investment, egal ob mit oder ohne Anlageberater, beginnt mit der Klärung der persönlichen Einstellung zu Rendite und dem Risiko. Der Anlagehorizont ist ebenso von Belang wie die Risikodiversifikation.
Egal was du als Anfänger tust, halte es immer einfach. Kannst du dein Investmentplan einem Freund innerhalb von 10 Minuten erklären, sodass er es versteht? Dann ist es gut. Lass die Finger von komplexen Finanzprodukten, ich kann nur dringend davon abraten.

Neben der Komplexität sind natürlich auch die Kosten der Anlage im Auge zu behalten. Gerade bei Fonds übersehen viele DIY-Investoren die Gebühren. Geht man von einer durchschnittlichen Wertentwicklung von 5% in den nächsten Jahren aus, so schlagen Fondsgebühren von 2% ziemlich stark in deine mögliche Rendite ein. Hier empfiehlt es sich, nach passiven ETF’s Ausschau zu halten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt für DIY-Investoren ist es, nicht zu viel zu Geld anzulegen, sondern weiterhin Rücklagen auf dem Tagesgeld Konto zu belassen. Daher ist es wichtige, über deine monatlichen Einnahmen und Ausgaben im Bilde zu sein und den Notgroschen nicht anzutasten. Daher empfehle ich immer ein Haushaltsbuch zu führen. Ein gutes Werkzeug, um Vermögen aufzubauen, ist eine hohe Sparrate. Wie du ganz leicht und mit viel Spaß dauerhaft Sparen kannst, erfährst du in meinem Artikel „Sparen mit Gamifikation„.

Rücklagen zu bilden ist allein schon deshalb wichtig, weil niemand gegen kurzfristige Kurseinbrüche gefeit ist. Kurseinbrüche und Korrekturen bieten aber immer eine gute Möglichkeit an, erneut zu günstigeren Kursen zu kaufen.

Mein Ratschlag ist daher, nimm deine Finanzthemen selbst in die Hand.

Strategie gefragt: Risikoaversion als Maß aller Dinge

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Frauen wesentlich risikoscheuer sind als Männer. Während 75 % der Frauen kein finanzielles Risiko eingehen, sind es nur 63 % der Männer.

Die Risikoaversion bei Frauen ist dabei umso größer, je geringer das monatliche Einkommen ist. Allerdings wären grundsätzlich 43 % der Damen zu einem Börsenengagement bereit, wenn sie das nötige Wissen dazu hätten. Zur Stunde sind jedenfalls bereits 15 % der Frauen aktiv im Wertpapiergeschäft tätig, während mit 22 % nur unwesentlich mehr Männer an der Börse spekulieren.

Dazu kann ich jedem nur Mut machen sich mit der Börse zu beschäftigen. Wer einen kleinen Schubser braucht, sollte mal lesen, wie ich an die Börse gekommen bin.

Auch wer selber anlegt, kann erfolgreich sein
Auch wer selbst anlegt kann erfolgreich sein

Bist du naturgemäß eher auf Vorsicht bedacht, ist es ratsam, ein Portfolio mit einem soliden Fond oder ETF zu starten. Natürlich darfst du bei Interesse auch mit festverzinsliche Wertpapiere oder Anleihen arbeiten.

Meine Favoriten sind aber passive Indexfonds, wie dem S&P 500 oder dem MSCI World. Hier konnte dein Investmentpaket in den letzten Jahren eine jährliche Rendite von 5 bis 8 % erreichen.
Viele Anleger möchten aber eine höhere Rendite, sie möchten den jeweiligen Index schlagen und setzten direkt auf Aktientitel. Gerade Dividendentitel sind sehr beliebt, da sie für relativ konstante Kursverläufe stehen und wenig Schwanken. Zudem erhältst du eine regelmäßige Dividende ausbezahlt.

Immer beliebter wird auch das Value Investing. Hier setzt du schlicht auf unterbewertete Titel von hoher Qualität und Spin-Offs oder Mergers & Acquisitions. Eine jährliche Rendite von 12 bis 15 % sollte damit in guten Jahren möglich sein. Aber Achtung: Value Investing ist nichts für Anfänger. Du solltest schon eine gehörige Portion Erfahrung mitbringen und die sehr gut in der Aktienanalyse auskennen.

Bloß keine Gebührenfalle: Wahl des richtigen Depots

Das Angebot an Depots ist für uns Investoren schier unübersehbar. Speziell Banken neigen dazu, ihr Angebot mit Zusatzdienstleistungen zu spicken, die ins Geld gehen. Als DIY-Investor hast du es allerdings in der Hand, die Gebühren durch Ausschaltung aller Berater, Zwischenhändler und Finanzintermediäre drastisch zu senken. Ich kann dir die Depots von ING DiBa * und von onvista bank * sehr empfehlen.

Auch und gerade bei dem Forex Handel solltest du auch ein Auge auf das richtige Depot werfen. Mit dem direkten Zugriff auf Anlageprodukte und Wertpapiere über regulierte Online-Broker stimmen die Konditionen.

Faktor Zeit: Unternehmensbewertung kein Honiglecken

Bekanntlich ist Rom nicht an einem Tag erbaut worden. Nicht von ungefähr wird der Vergleich mit dem Marathon strapaziert. Ein Sprint ist der Vermögensaufbau wahrlich nicht. Es braucht dabei viel Zeit. Die Rendite kommt nicht über Nacht.

Wer auf Einzeltitel setzt, braucht zudem Zeit diese Titel zu finden. Es gibt viele Bewertungsverfahren, die es dir einfacher machen sollen. Oft brauchst du einfach nur viel Erfahrung und eine gute Portion an Übung. Daran ändert nichts, die an sich einfache Handhabung von Equity Multiples wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Kurs-Umsatz-Verhältnis, PEG-Ratio oder Kurs-Cashflow-Verhältnis. Speziell wenn Start-ups an die Börse drängen, gilt es zu bedenken, dass es an hinreichendem Datenmaterial hapert, die großen Umsatzsteigerungen regelmäßig mit hohen operativen Verlusten einhergehen und so ein Newcomer auch schnell wieder Geschichte sein kann.

Fehler passieren: Ankereffekt nicht ausgeschlossen

Spätestens damit sollte klar sein, dass dir als DIY-Investor Fehler unterlaufen können. Der Aktienmarkt ist seit jeher ein überaus launischer Geselle, der sich zuweilen keinen Deut um Regeln schert. So ist es allemal denkbar, dass psychologisch motivierte Entscheidungen zu Überreaktionen führen. In diesem Fall widerspricht das Gebaren des Marktes allen logischen Erwartungen, Stichwort Ankereffekt. Beim Anker handelt es sich schlicht um eine Information, die unbewusst eine Entscheidung beeinflusst. Es ist dabei völlig belanglos, ob die Information für die Entscheidung tatsächlich relevant ist. Von daher kann es passieren, dass eine schlechte Nachricht zum Kurssturz eines Titels führt, obwohl sich am Unternehmenswert realiter nichts geändert hat. Es ist deshalb an dir, als DIY-Investor Umgebungseinflüsse auszublenden und an deinem Investitionsplan festzuhalten. Selbst wenn das Barometer auf Sturm steht. Den Geld anlegen ist wie Türmchen bauen 😉

Mein Fazit zum DIY-Investor

Anfängern fällt es oft sehr schwer. Die Hürden sind groß. Viele wissen nicht einmal, was ein Depot ist und wie sie so ein Depot eröffnen. Die Finanzwelt hat ihre eigenen Sprache, die leider in der Schule überhaupt nicht vermittelt wird. Deutschland ist, in dieser Hinsicht, ein Entwicklungsland.

Trotzdem oder gerade deswegen musst du deine Finanzen selbst in die Hand nehmen.

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