Warum Buy and Hold gefährlich werden kann

Auf vielen Webseiten, die sich mit dem Aktienkauf beschäftigen, liest man von der „Buy and Hold“ Strategie. Der Kern der Strategie ist es, Aktien bzw. Anlagen im Allgemeinen langfristig zu halten.
Beim Kauf entscheidet man sich für ein langfristiges Investment, weil man von z.B. dem Unternehmen überzeugt ist und man eine langfristig stabile bzw. positive Entwicklung sieht.


Die Buy and Hold Strategie dient nicht der Spekulation. Denn jeder kennt die Börsenweisheit „Hin und her macht Taschen leer“. Daher ist an dieser Strategie erst mal nichts falsch. Man will ja gar nicht spekulieren, wenn man sich für diese Strategie entscheidet.

Der Irrglaube: Buy and Hold ist eine passive Strategie

Ich sehe bei der Buy and Hold Strategie aber einen sehr gefährlichen Aspekt. „Buy and Hold“ wird öfters mal mit „Passiv Investieren“ zusammengebracht.
„Passiv Investieren“ ist wie „finanzielle Freiheit“ ein Buzzword. Was heißt „Passiv“? Das Wort „Passiv“ vermittelt den Eindruck, hier habe ich nicht viel zu tun. Auf den ersten Blick passt das auch schön zu „Buy and Hold“. Ich kaufe und halte. Beim „halten“ habe ich nicht viel zu tun, ich darf/kann/muss es nur nicht schnell verkaufen.

Und genau hier liegt der Hund begraben. Gerade für Einsteiger und Anfänger ist das eine große Gefahr. Diese Annahme macht schnell aus einem „Buy and Hold“, ein „Buy and Forget“. Kaufen und vergessen. Und das kann richtig wehtun.

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Aktien sind keine passiven Produkte

Eine Aktie, egal, mit welcher Strategie man sie gekauft hat, wird NIEMALS zu einem passiven Anlageprodukt.
Auch wenn eine Firma die letzten 20 Jahre super gelaufen ist, es garantiert dir keiner für die nächsten 20 Jahre. Nicht mal für die nächsten 2 Monate!
Geschäftsfelder unterliegen einem Wandel, technologischer Fortschritt kann einen überholen (siehe Nokia), Skandale können ein Unternehmen in den Abgrund reißen und und und.
„Buy and Hold“, ist daher keine passive Strategie. Du musst vielleicht nicht täglich in dein Depot schauen. Vielleicht auch nicht wöchentlich. Aber eine „Buy and Forget“ Strategie kann sehr gefährlich werden. Du solltest dein Depot regelmäßig überwachen. Verfolge die Presse über das Unternehmen. Lies dir den Geschäftsbericht durch, wenn du das nicht möchtest, suche nach Pressemeldungen und Zeitungsartikeln über diesen Bericht. Verfolge die Marktentwicklung. Beobachte die Käufergruppen. Behalte Konkurrenten im Auge.

Aber jeder Kurs steigt auch wieder, oder?

Wenn du beim Lesen nun gedacht hast, „Buy and Hold“ wird gemacht, weil jeder Kurs auch irgendwann wieder steigt, dann muss ich dich enttäuschen. Wir sind hier nicht beim Märchenonkel und auch nicht auf dem Ponyhof.
Nicht jede Aktie wird nach dem Sinken wieder auf alte Höhen zurückfinden. Dass man, alleine durch die Zeit, jeden Kursverlust aufholen kann, ist absoluter Bullshit. Dass ist ein Irrglaube.


Natürlich bedeutet nicht jeder Kursverlust gleich Panik. Genau darum geht es ja bei „Buy and Hold“. Du sollst nicht bei jedem „runter“ sofort verkaufen und bei jedem „hoch“ sofort neu kaufen. Du sollst schon eine gewisse Ruhe und Sicherheit mitbringen.

Buy and Hold verursacht Arbeit

Die Arbeit hast du vor, sowie nach dem Kauf. Zum Ersten musst du eine Aktie finden, von deren Stabilität und Aussichten du überzeugt bist. Das Unternehmen musst du bewerten und dir sicher sein, dass du bereit bist, eine langfristige Anlage einzugehen.

Nach dem Kauf musst du das Unternehmen regelmäßig neu bewerten. Du musst dies tun um das Unternehmen im Auge zu behalten und um reagieren zu können.

Du sollst kein Spekulant werden. Aber überlegte und begründete Verkäufe verbietet dir die Strategie nicht! Im Gegenteil!

„Buy and Hold“ ist eine langfristig angelegte Strategie. Nur weil da „Langfristig“ drin steht, darfst du dich aber nicht zurücklegen. Du musst Unternehmen verkaufen, wenn du gefährliche Entwicklungen erkennst.
Es gibt in der Börsengeschichte unzählige Fälle von Aktiencrash, die sich nie wieder davon erholt haben. Da hilft dann auch das „Hold“ nicht mehr weiter. Spätestens, wenn die Aktie vom Markt genommen wird.

Fünf Fragen – Diese Fragen solltest du dir stellen

Fazit

Die „Buy and Hold“ Strategie ist eine gute und sehr empfehlenswerte Strategie. Das möchte ich gar nicht in Frage stellen.
Aber leider wird diese Strategie von vielen Anlegern viel zu passiv gefahren und oft zu einem „Buy and Forget“. Zudem denken viele Anleger, diese Strategie sei einfach. Das ist sie nicht! Da der Aktienmarkt und die einzelnen Positionen immer im Blick gehalten werden müssen.

Möchtest du auf dem Aktienmarkt investieren und dies unbedingt passiver tun, dann empfehlen sich oft ETFs.
Hier setzt du auf große Indizes, die ganze Länder/Kontinente abbilden. Hier musst du keine einzelnen Unternehmen beobachten, sondern bist über den Verlauf der Indizes bereits informiert. Aber auch hier solltest du informiert bleiben. Ein großer Index macht weniger Arbeit als ein einzelnes Unternehmen zu verfolgen und zu analysieren, trotzdem solltest du auch hier nicht auf „Buy and Forget“ setzen.

Folgende Indizes bieten sich an:

  • ACWI (quasi World plus Schwellenländer)
  • World
  • USA / Nordamerika
  • Europa
  • Asien / Pazifik
  • Schwellenländer

Solltest du auf „Buy and Hold“ setzen, bleibe AKTIV am Ball und bewerte deine Positionen regelmäßig. Solltest du lieber eine passivere Strategie bevorzugen, überlege dir auf ETFs zu setzen.

Wie siehst du das Thema „Buy and Hold“?

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11 Gedanken zu „Warum Buy and Hold gefährlich werden kann

  • 9. Juni 2017 um 21:08
    Permalink

    Meines Erachtens kann „Buy and Forget“ auch mit Einzelaktien funktionieren. Vorausgesetzt, man wählt die wenigen dafür geeigneten Aktien sehr sorgfältig aus und streut relativ breit (40 bis 50 Aktien, anfänglich gleichgewichtet, sind meines Erachtens ausreichend).
    Wenn dann ein paar wenige Unternehmen im Laufe der Dekaden tatsächlich die Grätsche machen, wird dies das Depot nicht ruinieren. Trotzdem ist es natürlich keine passive Anlagestrategie, da gebe ich Dir recht. Vor der Kaufentscheidung muss man sogar sehr aktiv werden. Danach liegt die Herausforderung eher im aktiven Nichtstun (auch fürs Nichtstun muss man sich entscheiden, denn der Drang, zu handeln, ist groß!). Wenn man extremes Buy and Hold betreibt, also tatsächlich niemals Aktien verkauft, würde ich das schon als einen passiven Investmentstil bezeichnen. Ganz im Gegensatz zum jahrzehntelangen Besparen von Aktien-ETFs, denn hier wird bei Indexveränderungen immer wieder umgeschichtet, also aktiv gehandelt. Dann ist zwar der ETF-Anleger passiv, nicht aber seine Anlagestrategie…

    Colibri

    Antwort
    • 9. Juni 2017 um 21:20
      Permalink

      Hi Colibri,
      ob eine Buy and Forget Strategie zum Erfolg führt, würde ich bezweifeln. Selbst wenn du jetzt 50 stabile und gute Unternehmen selektierst und kaufst. Wer garantiert dir, das diese in 5,10 oder 15 Jahren immer noch erfolgreich sein werden? Gut, vielleicht hast du ein gutes Händchen bei der Auswahl. Aber was ist mit Aktien wie Deutsche Bank, RWE, Eon, Nokia, … auch stabile Firmen, selbst Marktführer kann es treffen.

      Von daher empfehle ich niemandem ein Buy and Forget zu fahren.

      Antwort
  • 10. Juni 2017 um 10:28
    Permalink

    Tim Schäfer (einer meiner Lieblingsfinanzblogs) berichtet/e regelmäßig über Leute, die ihre Investments vergessen haben, und dass es das Beste war, was ihnen passieren konnte 😀 Es sei wichtig, dass man die Unternehmen sorgfältig aussucht, lange beobachtet, etc. bevor man einsteigt. Von Trendthemen solle man sich lieber fernhalten , solche Unternehmen müss(t)en sich erst mal 30,40,50 Jahre behaupten können. Garantieren kann natürlich niemand jemals irgendwas – wie kommst du darauf?
    (Bei sehr langem Zeithorizont sinkt nur die Wahrscheinlichkeit signifikant, Verluste einzufahren. D.h. ob man die Aktie, die man im Depot hat, 10 Jahre lang regelmäßig beobachtet oder vergisst, spielt eigentlich keine Rolle. Wichtig ist, sie diese Zeit nicht anzurühren. Ich glaube, mit ständigem, hitzigen Beobachten steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man aktiv handelt und die Aktie kürzer hält als empfohlen.)

    VG

    Antwort
    • 10. Juni 2017 um 14:17
      Permalink

      Hallo Alina,
      ich habe durch Facebook Gruppen, Foren oder auch meinen Kontakt mit Lesern, den Eindruck gewonnen, dass viele Aktionäre sich mit der Buy and Hold Strategie zu sicher sind. „Ich muss die Aktie nur lange genug liegen lassen, dann steigt sie wieder“.
      Diese Annahme ist, meiner Meinung nach, falsch. Natürlich kann die Aktien irgendwann wieder steigen. Aber erreiche ich meinen Einstiegskurs wieder? Glaubst du Nokia kommt wieder auf 30 Euro oder Blackberry wieder auf 200? Das waren die Marktführer!
      E.ON, DAS Energieunternehmen. Wer hier Anfang 2008 für 140 Euro eingestiegen ist, sitzt jetzt bei 9 Euro.
      Solche Beispiele zu finden ist super einfach, da es davon mehr als genug gibt.
      Meiner Meinung nach, sind zu viele Aktionäre viel zu selbstsicher. Die Zeit kann viel retten, keine Frage. Aber die Zeit vollbringt keine Wunder.

      Ich will die Buy and Hold Strategie nicht schlecht machen. Im Gegenteil. Ich finde die Strategie gut und richtig! Man darf sie aber nicht zu einer Buy and Forget Strategie umwandeln! Das kann gut gehen, muss aber nicht!

      Schöne Grüße
      Sebastian

      Antwort
      • 11. Juni 2017 um 10:56
        Permalink

        Also, nach bisherigen Studien und Statistiken ist Buy & Hold anscheinend tatsächlich sehr sicher. Ich meine, die Verlustwahrscheinlichkeit bei einem Anlagehorizont von 10 Jahren+ liege bei nur 6% (ich habe die Auswertung bei Tim Schäfer gesehen.) Die von dir genannten Firmen waren Trendthemen, also Nokia, Blackberry und jetzt aktuell auch Facebook. Es gibt auch bei soliden Firmen einige schwarze Schafe, aber ich glaube, diese sind klar in der Minderheit. Garantien gibt es nicht, selbstverständlich.

        Wenn du eine Aktie 10 Jahre + nicht anrührst und nichts mit ihr machst, macht es keinen Unterschied, ob du sie in der Zeit vergessen hast (Buy & Forget) oder ob du sie regelmäßig kontrollierst.

        VG

        Antwort
  • 10. Juni 2017 um 13:26
    Permalink

    Da hast du natürlich Recht, dass Buy and Hold eine aktive Anlagestrategie ist. Buy and Forget kann funktionieren, kann aber auch in die Hose gehen. Darum würde ich auch eine Aktie regelmässig in grösseren Abständen wieder neu bewerten.

    Gruss Fabian

    Antwort
    • 10. Juni 2017 um 14:21
      Permalink

      Hallo Fabian,
      danke für die Zustimmung.
      Unabhängig von der Anlageform, sollte man sein Geld immer aktiv beobachten.

      Schöne Grüße
      Sebastian

      Antwort
  • 10. Juni 2017 um 16:43
    Permalink

    Hallo Sebastian,

    interessanter Artikel! Ich persönlich betreibe auch buy and hold. Sowohl mit ETFs als auch mit einigen Dividendentiteln. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass jemand, der sich mit dem Thema „Investieren“ auseinandersetzt und dann investiert, wirklich seine Anlagen vergisst. Aber solche Menschen scheint es wirklich zu geben. Wie du sagst empfiehlt sich da ein ETF.

    Großartige Analysen des Unternehmens beim Kauf von Einzeltiteln durchzuführen halte ich aber nicht für nötig. Ich gehe eher so vor, dass ich zahlreiche „Dividenden-Blogs“ lese und schaue, was diese aktuell kaufen und wenn sich in den Blogs ein Titel öfters überschneidet und mir das Unternehmen selbst etwas sagt und ich es für zukunftsträchtig halte, dann kauf ich einfach. Also fast „blind“.. Die Vorgehensweise habe ich hier beschrieben: https://www.zinskraft.de/2017/02/26/wieso-ich-aktien-fast-blind-kaufe/

    Viele Grüße
    Martin

    Antwort
    • 10. Juni 2017 um 18:16
      Permalink

      Hi Martin,

      interessanter Ansatz deine Strategie.
      Danke fürs Teilen!

      Schöne Grüße
      Sebastian

      Antwort
  • 10. Juni 2017 um 17:29
    Permalink

    Moin,
    also dieses wirklich „passive“ gibt es meiner Meinung nach eh nicht.
    Buy and hold finde ich grundsätzlich gut. Aber eine Aktie vergessen würde ich nun nicht unbedingt 🙂
    Dann doch eher die vorgeschlagene ETF-Strategie. Da werden die Pleitegeier automatisch ausgetauscht. Das ist wenigstens aus Anlegersicht passiv 😛

    Wenn das Depot an Einzelaktien groß genug ist kann man auch wirklich mal einen Wert verkraften, der den Bach runter geht. Auf Krampf hoffen, dass die Aktie wieder steigt ist in manchen Fällen sicher auch von wenig Erfolg gekrönt. Wenn eine Aktie sich aber wirklich schon lange am Markt behauptet hat und über all die Jahre relativ stabil war ist doch Chance schon recht hoch, dass die nicht auf einmal völlig einbricht und nicht wieder kommt. Nokia und Blackberry waren ja nun nicht unbedingt über Dekaden Weltklasse. EON schon etwas länger. Ausnahmen bestätigen die Regel.

    Bei mir macht es wie immer der Mix. Einzelaktien aber auch ETFs. Vergessen werde ich aber hoffentlich keine Position.

    Gruß
    Vincent

    Antwort
    • 10. Juni 2017 um 18:22
      Permalink

      Hi Vincent,

      ja, Nokia und Blackberry waren nicht über Dekaden Weltklasse, das stimmt. Es sollte auch nur als Beispiel dienen.
      Natürlich glaube auch ich nicht, dass Johnson & Johnson, Coca Cola, Nestle oder Roche in 10 Jahren in die Binsen gehen.
      Und ja, je mehr solide Aktientitel ich im Depot habe, umso entspannter und passiver kann ich sein.
      Nichtsdestotrotz (geiles Wort 🙂 ) halte ich die Strategie nicht für Passiv.
      Und schöne Zusammenfassung: „Der Mix macht’s!“

      Schöne Grüße
      Sebastian

      Antwort

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