Was ist überhaupt eine P2P Plattform?

Vor Kurzem habe ich eine kleine Hilfe/FAQ Ecke eingerichtet. Bisher liegt der Fokus auf der reinen Begriffserklärung. Nun möchte ich den Bereich etwas ausbauen und weiter in der Thematik einsteigen.
Deshalb geht es heute um die Frage, was ist überhaupt eine P2P Plattform? Wie funktioniert diese? Was sind die Vor- und Nachteile und gibt es Risiken?

Was ist eine P2P Plattform?

Eine P2P Plattform (gern auch als P2P Marktplatz bezeichnet) ist erst mal nur eine ganz normale Webseite. Du kannst dir die Webseite anschauen, wie jede andere Webseite auch. Du kannst dich über den Anbieter einlesen, in den FAQs stöbern, dir Statistiken anschauen und ggf. vielleicht auch schon die ersten Kredite anschauen. Um aber wirklich investieren zu können, musst du dich bei der Plattform registrieren. Denn ohne Anmeldung kannst du keine Kredite kaufen.

Du hast doch sicherlich eine E-Mail-Adresse und liest und schreibst E-Mails, oder?

Egal ob du nun bei GMX, T-Online, Google Mail oder wo auch immer bist, es ist immer dasselbe Schema, wie die E-Mail-Dienste funktionieren:

  1. Du meldest dich mit deinen Daten an
  2. Du erhältst einen Zugang (Nutzername und Passwort)
  3. Mit deinem Zugang kannst du dich auf der Webseite einloggen
  4. Du siehst, nach dem Login, nur deine persönlichen E-Mails und kannst die Mails lesen, löschen oder eine Neue schreiben

Ganz genau so läuft es auch auf den P2P Plattformen ab. Egal ob Mintos, Twino, Swaper, Viventor oder Viainvest, es ist immer dasselbe Schema:

  1. Du meldest dich mit deinen Daten an
  2. Du erhältst einen Zugang (Nutzername und Passwort)
  3. Mit deinem Zugang kannst du dich auf der Webseite einloggen
  4. Du siehst, nach dem Login, alle verfügbaren Kredite. Diese kannst du kaufen, verkaufen oder bereits gekaufte Kredite einsehen.

Fertig. So schwer ist es nicht, oder?

Die Registrierung

Die Registrierung auf einer P2P Plattform ist etwas aufwendiger, als sich für eine E-Mail-Adresse anzumelden. Die P2P Plattformen benötigen bei der Registrierung die Nummer von deinem Personalausweis oder Pass. Da es hier um Geld geht und um Zinsen und damit auch um das Thema Steuern, versteht man in der EU keinen Spaß. Deshalb wollen und müssen die Betreiber sicherstellen, dass du wirklich eine Person bist und nicht deinen Goldfisch anmeldest. Des Weiteren brauchst du für manche Plattformen auch eine Nebenkostenabrechnung, sodass die Anbieter sicherstellen können, dass du die Adresse auf deinem Personalausweis auch wirklich bewohnst. Das klingt jetzt vielleicht alles etwas kompliziert. Aber das sind zwei Fotos, die du mit dem Smartphone machst und einfach bei der Plattform hochlädst. Das ist wirklich kein großer Akt und dauert nur wenige Minuten. Es gibt auch Plattformen, zum Beispiel Viventor und Viainvest, wo du eine Bescheinigung der Steueridentifikationsnummer und des Wohnsitzes benötigst, hier reicht die Nebenkostenabrechnung nicht aus. Dies ist ein Formular, welches dir von deinem Finanzamt ausgefüllt wird. Es geht hier darum, dass Viventor und Viainvest sichergehen wollen, dass du deine Zinseinkünfte auch tatsächlich versteuerst. Lädst du das Dokument nicht hoch, behalten die beiden Plattformen die Quellensteuer ein.

Die Einzahlung

Du hast die Registrierung geschafft und bist du nun eingeloggt? Glückwunsch, nun listet dir die Webseite alle verfügbaren Kredite auf, in die du investieren kann. Investieren kannst du aber nur, wenn du auf deinem Account Geld eingezahlt hat. Denn ohne Moos, nix los.
Dies geschieht meist per simpler SEPA Überweisung. Die Überweisungsdaten findest du in deinem Account und sie werden dir auch meist per E-Mail geschickt. Eine Überweisung dauert in der Regel maximal 2 Werktage, dann ist dein Geld auf der Plattform und du kannst loslegen.

Bis die P2P Plattform dein Geld erhalten hat, kannst du dich mit dem Angebot der Webseite vertraut machen. Schau dir in Ruhe die angebotenen Kredite an. Welche Anbieter gibt es? Welche Kreditarten werden angeboten? Sind die Kredite mit einer Buyback Garantie versehen? Was für Zinsen werden angeboten?
Es gibt wirklich viele Fragen, die man sich stellen kann. Du solltest dir Zeit nehmen und in Ruhe darüber nachdenken, was du erreichen möchtest.

Woher kommen die Kredite überhaupt?

Jetzt könnte auch der Zeitpunkt sein, wo du dir die Frage stellst, woher kommen die Kredite überhaupt?
Du wirst feststellen, dass die P2P Plattformen diese nicht selbst anbieten. Die Plattformen sind nur Vermittler zwischen dir und den eigentlichen Kreditgebern.

Kleiner Exkurs: Laut Definition (Was ist ein P2P Kredit) sollte ein P2P Kredit aber von Person zu Person, ohne Bank/Vermittler, vonstatten gehen.

Das ist schon richtig. Soweit die „theoretische“ Definition eines P2P Kredits. Aber wie willst du einem Bulgaren erklären, dass du ihm sein Auto mitfinanzieren möchtest? Woher würdest du überhaupt mitbekommen wollen, dass jemand in Bulgarien gerade ein Auto finanzieren möchte? Kannst du überhaupt Bulgarisch? Zahlt man in Bulgarien überhaupt mit Euros?

Du siehst, man muss nicht lange darüber nachdenken, dass du ohne die P2P Plattform schlechte Karten hättest. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, ohne die P2P Plattformen hättest du nie eine Chance je an einen solchen Kredit zu kommen. Von daher kann man die Definition einfach mal Definition sein lassen.

Die Vorteile einer P2P Plattform

Die Anbieter bieten dir mit ihren P2P Plattformen einige Vorteile an, die nicht ganz unerheblich sind und dir das Leben deutlich vereinfachen.

Diese Vorteile sind:

  • Bereitstellen der P2P Plattform
    Hierzu zählen das Hosting, die Pflege, die Entwicklung, usw.
  • Bereitstellen von neuen Krediten und/oder die Akquise von neuen Kreditgebern
    Die Kredite erscheinen ja nicht von alleine auf der Plattform und die Nachfrage steigt stetig
  • Bereitstellung eines Risiko Ratings der Kredite
    Vor allem bei Krediten ohne Buyback interessant
  • Prüft die Identitäten der Anleger und der Kreditnehmer
    Du als Anleger wirst geprüft, sowie auch der eigentliche Kreditnehmer geprüft wird
  • Verarbeitet/Verwaltet die gesamten Zahlungen und die damit verbundene Logistik
    Vom Zahlungseingang, Zinsbuchungen, Rückflüsse usw. muss verarbeitet und verbucht werden
  • bietet ggf. eine Buyback Garantie für alle oder einige Kredite
    Eine tolle Sache, man muss seinem Geld nicht ‚hinterher rennen‘. Einer der größten „Vorteile“ für uns P2P Investoren
  • bietet ggf. einen Zweitmarkt an, zum Handeln von „gebrauchten“ Krediten
    Ein weiterer Service, der den Komfort deutlich verbessert, da man jederzeit seine Investitionen wieder zu Geld machen kann
  • bietet ggf. einen Autoinvestor an
    Ein kleines Programm, das voll automatisch nach den eigenen Wünschen das Geld investiert
  • bietet ggf. weitere Währungen an
    Nur für „Fans“ von Währungsspekulationen
  • bietet einen Telefon- und/oder einen E-Mail-Service an
    Jeder hat mal ein Problem oder eine Frage. Manche sind Anbieter sind mittlerweile deutschsprachig und selten dauert die Bearbeitung länger als einen Tag

Du siehst, dass viele Probleme von der Plattform gelöst werden. Stell dir mal vor, du müsstest dich um die Zahlungsabwicklung selbst kümmern. Das übernimmt die Plattform für dich. Der bereitgestellte Autoinvestor, kann voll automatisiert dein Geld investieren, sodass du aktiv nicht viel zu tun hast. Wenn dir ein Kredit nicht mehr in den Kram passt, weil er sich im Verzug befindet oder du an dein Geld möchtest, kannst du ihn bequem wieder verkaufen.
Natürlich darf auch die, teilweise angebotene, Buyback Garantie nicht fehlen. Bei der Buyback Garantie, wird dir versprochen, dass man dir den Kredit (teils mit Zinsen) wieder abkauft, falls dieser mehr als 30 oder 60 Tage in den Zahlungsverzug geht. Das ist ein Service, der natürlich viele Investoren anzieht, da es auf den ersten Blick so aussieht, als würde man ohne Risiko investieren können.

Auch wenn in der klassischen Definition der P2P Kredite, der Mittelsmann nicht drin vorkommt – ohne ihn geht es aber nicht. Die Anbieter der P2P Plattformen, macht die ganze Sache erst Rund und vereinfachen viele Prozesse. Für diese Dienstleistungen verlangen auch manche Plattformen eine kleine Gebühr. Viele, vor allem in Osteuropa, sind aber komplett kostenfrei.

Mintos beginnt aktuell immer neue Währungen frei zuschalten. Da Investoren und die Kreditgeber aus vielen verschiedenen Ländern kommen, kann man nun auch selbst in anderen Währungen investieren. Hier heißt es aber gut überlegen, in dem Artikel ‚Meine Meinung über Mintos‚, bin ich näher auf das Thema eingegangen.

Die Kreditgeber

Abschließen schauen wir noch, auf einen großen Unterschied von den P2P Plattformen. Es gibt Betreiber, die bieten Kredite von Kreditgebern aus der eigenen Firmengruppe an, wie TWINO, Swaper oder Viainvest*.
Und es gibt P2P Plattformen wie Mintos* und Viventor, die auf externe Kreditgeber setzen, die nichts mit dem Plattform Betreiber zu tun haben. Bei Mintos muss man aber genauer hinschauen, da Mintos mit ein paar der Kreditgeber verbandelt ist (Übersicht zu den Mintos Kreditgebern).

TWINO, Swaper oder Viainvest sind jeweils Teil einer Firmengruppe. In diesen Firmengruppen, finden sich meist mehrerer Töchter, die auf dem Markt der Kreditvergabe aktiv sind. Bei TWINO sind dies Moneza und Netcredit, bei Viainvest sind es z.B. viasms.pl, viasms.lv, vaconto und weitere. Diese Firmen liefern die Kredite, die dann auf der „eigenen“ P2P Plattform angeboten werden.

Bei Mintos (Creditstar, Lendo, Mogo…) und Viventor (Primor, Twinero, ViaConto, …) kommen die Kredite von Kreditgebern, die nicht zur eigenen Firmengruppe gehören.

Welcher Ansatz nun besser ist, kann ich dir so nicht sagen. Beides hat sicherlich seine Vor- und Nachteile. Nichtsdestotrotz solltest du wissen, wo die Kredite herkommen, in die du dein Geld investierst.

Risiken

Die P2P Plattformen bieten dir zwar viele Vorteile, trotzdem bleibt das Thema P2P Kredite ein Investment mit sehr hohem Risiko. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal meinen Artikel ‚Warnung vor dem Einstieg‚ nennen. Bitte sei dir bewusst, dass du ein hohes Risiko eingehst. Setze daher nicht zu viel deines Kapitals auf P2P Kredite.
Vier dieser Risiken möchte ich kurz benennen:

  1. Transparenz der P2P Plattformen
    Die meisten Plattformen sind noch sehr jung und es gab noch keinen großen Crash, von dem man lernen könnte. Zudem haben noch nicht alle Plattformen ihre ersten Jahresberichte veröffentlicht. Daher ist wenig über die Stabilität der Plattformen bekannt.
  2. Transparenz der Kreditgeber
    Bei den Kreditgebern ist es ähnlich wie bei den Plattformen. Transparente Informationen über Geschäftszahlen sind Fehlanzeige. Man weiß oft wenig, bis gar nichts über die Kreditgeber.
  3. Ausfallquoten der Kredite
    Die tatsächliche Ausfallquote der Kredite muss man sich ebenfalls mühsam erfragen. Diese werden nicht veröffentlicht. Zudem ist es nicht ersichtlich, ob die Ausfallquoten im Rahmen sind oder eben nicht.
  4. Die Buyback Garantie
    Auch die Buyback Garantie ist alles andere als transparent. Wie funktioniert die Finanzierung dieser Garantie? Wie stabil ist diese Finanzierung?

Fazit

Ohne die Betreiber der P2P Plattformen würde das Thema P2P Kredite im Internet nicht funktionieren. Das Konzept der Plattformen ist sinnvoll und richtig. Das Investieren auf den Plattformen ist sehr einfach und komfortabel. Auch wenn die Investitionen in die Kredite aktuell gut funktionieren, darf man die Gefahren nicht unterschätzen. Es bleiben einfach zu viele Risiken offen.

 

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2 Gedanken zu „Was ist überhaupt eine P2P Plattform?

  • 22. Februar 2017 um 17:40
    Permalink

    Lieber Hobbyinvestor,

    vielen Dank für deinen Beitrag über P2P-Plattformen. Ich habe mittlerweile seit 3 Jahren eigene Erfahrungen mit Investitionen auf P2P-Plattformen gemacht. Es wird viel gewarnt und auf Risiken hingewiesen. Auch wenn meine bisherigen Erfahrungen überwiegend positiv sind, sollte man die Warnungen ernst nehmen. Ich werde trotzdem auch weiterhin einen Teil meiner Investition auf P2P-Kredite verteilen. Jedoch nur in einem angemessenen Rahmen, in welchem ich mich wohl fühle. Allerdings werde ich meinen Einsatz auf mehrere Plattformen verteilen um auch dieses Risiko so gut es geht zu streuen. Wer dort investiert, sollte auch beim Thema P2P beachten, dass hohe Renditen hohes Risiko mit sich bringen. Alles in allem halte ich diese Investitionsmöglichkeit für eine interessante Alternative um passives Einkommen zu generieren.

    Schöne Grüße
    Marco

    Antwort
    • 22. Februar 2017 um 17:46
      Permalink

      Hallo Marco,
      vielen Dank für dein Kommtar.
      Besser hätte ich es nicht ausdrücken können 😊
      Bin ganz deiner Meinung!

      Schöne Grüße
      Sebastian

      Antwort

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