Mintos & Co – Märchen dauern nicht ewig

Die letzten Tage und Wochen ist es immer schwieriger geworden, an Kredite mit guten Zinsen zu kommen. Du hast es sicherlich auch schon in deinem Portfolio gemerkt, oder? Egal, ob bei Mintos, TWINO oder Swaper, die Nachfrage nach Krediten ist hoch und immer wieder bleibt Kapital liegen.

 

Märchen dauern nicht ewig

Im Rahmen meines kleinen Interviews mit Viventor über 2017 (zum Interview), hatte ich mich bei Toms Niparts beschwert, warum denn keine 12%-Kredite mehr verfügbar sind. Er meinte darauf hin zu mir: „Fairytales don’t last forever“.

Ja, Märchen dauern nicht ewig. Und genau dieser Satz ist mir heute wieder in den Sinn gekommen. Ich musste die Tage bei Mintos und bei TWINO meinen Autoinvestor auf 11% Mindestzins senken. Nachdem ich nun auch bei 11,5% die letzten Tage zu wenig abbekommen habe. Auch bei Swaper sieht die Lage nicht besser aus. Hier habe ich aber bisher noch Glück, dass die meisten meiner Kredite noch laufen. Mal schauen, was danach kommt.

Ist die Zeit der hohen Zinsen vorbei? Ich befürchte ja! Die letzten Kredite mit 13,5% von Lendo kamen Anfang Januar. Wenn ich jetzt die letzten Tage bei Mintos beobachte, wie sieht es da aus bei den Euro-Krediten? Hier schrumpft selbst das Volumen der 12%-Kredite. Hier kann man sich mittlerweile eher Richtung 10%-11% einstellen.
Bei TWINO sieht es nicht anders aus, die letzten Wochen war es ein echter Kampf, sein Geld unterzubringen.

Neue Kredite, neue Länder

Und werfen wir einen Blick auf die Neuigkeiten der letzten Woche. TWINO hat mit Spanien ein neues Land angeboten. Hier versucht man mit einem Zinssatz von 8% die Investoren zu werben.
Mintos hat ebenfalls etwas Neues. Aasa Global ist als Kreditgeber neu dazu gekommen. Auch hier liegen die Zinsen bei mageren 8%.
Man muss nun kein Hellseher sein, um 1 + 1 zusammenzuzählen.

Wie geht es weiter bei Mintos und TWINO?

Ich glaube, demnächst werden einige ihre Autoinvestoren nach unten korrigieren müssen, da 12% und mehr wohl Geschichte sein werden. Natürlich bleiben Swaper (12%/14%) und Viainvest (~12%) bei ihren Zinssätzen. Aber Mintos und TWINO sind nun mal die Großen. Und Swaper könnte es, wie Viventor gehen. Das Geschäft mit den Krediten scheint sich nicht mal eben so skalieren zu lassen.
Ich weiß, es gibt noch weitere Plattformen mit Buyback. Zum Beispiel Lenndy. Aber hier geht es nicht um die Masse an vorfinanzierten Krediten. Bei Lenndy kann man nicht eben mal 500 Euro oder mehr unterbringen. Es sei denn, man setzt alles auf wenige Projekte.

Die Tage ist ein weiterer neuer Player hinzugekommen. Robocash. Ich verlinke den Anbieter absichtlich nicht, da ich noch nicht genug Informationen habe und mein erster Eindruck ist eher abwartend. Dieser wirbt auch mit Buyback und satten 14%-16%. Ob das Seriös ist? Ich weiß es nicht. Aber um Investoren anzulocken, sind solch hohe Zinsen natürlich Werkzeug Nummer Eins.

Was tun?

Auf den ersten Blick ist es sehr Schade, dass die Zeit mit 12% und mehr scheinbar vorbei ist. Investiert bleibe ich aber trotzdem.
Immerhin hat Mintos mit Aasa Global einen echt großen Fisch an Board geholt. Aasa ist der größte Kreditgeber, der sich bisher Mintos angeschlossen hat. Zudem ist Aasa in Finnland aktiv und es gibt Pläne in den schwedischen Markt einzusteigen. Das sind natürlich sehr interessante Länder.

Ich möchte die Entwicklung weiter verfolgen und nehme auch die aktuellen Zinsen mit, so lange die Buyback Garantie bleibt. Zudem kann man sich die fallenden Zinsen auch schön reden und sagen, wenn damit das Geschäftsmodell und der Buyback stabiler sind, dann soll das so sein. Aber wer weiß das schon? Vielleicht wird mit den fallenden Zinsen das Geschäft stabilisiert oder die Taschen einiger Manager? Und da das Leben kein Ponyhof ist, können wir uns sicher sein, dass es eher um die Taschen der Manager geht.

Wenn wenigstens die Zinsen auch für die Kreditnehmer fallen würden, könnte man ja noch sein Gewissen beruhigen und sagen, die Kredite sind nun „fairer“. Aber schaue ich mir die Aasa Webseite in Polen an (https://www.aasapolska.pl/), dann springt mir hier ein frecher Jahreszins von über 150% entgegen. Da sind dann meine 8% geradezu lächerlich.

Aasa Kreditgeber Mintos
155.29 % Jahreszins bei Aasa

Gut, Verbraucherkredite bei Banknote liegen gern mal bei ~300%. Creditstar ist 4-stellig. Da ist Aasa mit seinen 150% Zinsen schon (fast) ein fairer Anbieter.

Fazit

Ja, Märchen dauern nicht ewig. Den Plattformen strömt das Geld nur so zu. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis die Zinsen sinken. Bei TWINO kam bisher im Februar schon 10 Mio. Euro Kapital hinzu, bei Mintos sind es aktuell sogar schon fast 15 Mio. Euro. Von daher ist der fallende Zins eine logische Schlussfolge. Warum sollen die Plattformen weiter mit hohen Zinsen locken, wenn das Geld auch bei viel weniger fließt?

Was mich natürlich ärgert, ist, dass die Risiken gleich bleiben. Wenn die Risiken analog zum Zinsniveau fallen würden, wäre ich beruhigter. Aber das ist leider nicht so. Jetzt stellt sich die Gretchenfrage: „Bei welchem Zins, steige ich aus?“. Sollte 8% auf Dauer das neue Maß werden, dann werde ich mir das Thema P2P Kredite noch einmal gut überlegen. 7-8% sind mit ETFs auch an der Börse langfristig zu machen und hier habe ich nicht das hohe Risiko bis hin zum Totalausfall.

Wie seht ihr das? Werdet ihr in die neuen 8%-Kredite investieren?

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6 Gedanken zu „Mintos & Co – Märchen dauern nicht ewig

  • 2. März 2017 um 6:56
    Permalink

    Bei „Märchen“ darf ich nicht fehlen! 🙂 Tatsächlich habe ich mich aber auch immer in der Vergangenheit gefragt, wie lange wohl die Praktik der „neuen“ P2P-Plattformen wohl noch in dem Maß funktioniert. Die Zinsen sind ja zum Teil der Wahnsinn… Aber selbst von 12 auf 11% ist ja immer noch gut. Aber bleiben die Risiken tatsächlich gleich? Der Zins ist doch die Kompensation für das Risiko. Wenn der sinkt, müsste das Risiko doch auch ein geringeres sein?

    Antwort
    • 2. März 2017 um 8:07
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      Hallo Bankenmärchen,
      klar, sind selbst 11% noch gut. Aber die Tendenz geht eher Richtung 8%.
      Natürlich kann man annehmen, dass mit den fallenden Zinsen mehr „Gewinn“ / Puffer für den Kreditgeber bleibt. Was der Kreditgeber mit dem Geld aber macht bleibt offen. Offen bleibt auch weiterhin die Finanzierung des Buybacks. Auch hier weiß man nicht, ob dieses Modell tragfähig ist.
      Von daher ist das Risiko für mich als Anleger erstmal gleichbleibend.

      Antwort
  • 2. März 2017 um 18:10
    Permalink

    Moin,
    der Artikel trifft auch meine momentane P2P-Situation ganz gut. Diese habe ich auch in meinem just veröffentlichten Monatsabschluss thematisiert und deinen Artikel als tolle Ergänzung verlinkt!

    Gruß
    Vincent

    Antwort
    • 2. März 2017 um 18:27
      Permalink

      Hallo Vincent,
      Danke für das Feedback, dass es dir genauso geht. Geteiltes Leid ist halbes Leid 😉

      Schöne Grüße
      Sebastian

      Antwort
  • 3. März 2017 um 12:28
    Permalink

    Hallo zusammen,

    ich habe empfinde das ebenfalls so. Werde aber bis auf weiteres mit angezogener Handbremse weiter investieren. Allein schon im weiterhin breit aufgestellt zu sein. Ich werde mir in Zukunft eine Untergrenze überlegen, die ich bereit bin zu akzeptieren.

    Ich habe bislang allerdings noch nicht verstanden, ob der Zins auch für den Kreditnehmer sinkt oder ob sich jemand anderes die Differenz in die Tasche steckt. Kann da jemand was zu sagen?

    Schönen Gruß
    Marco

    Antwort
  • 2. April 2017 um 0:51
    Permalink

    Hallo Sebastian,

    ich bin mir des Risikos bei P2P durchaus bewusst, weshalb ich für mich sage unter 10% mache ich nicht mit. Sollte sich das Niveau weiterhin in die Richtung entwickeln, werde ich, genau wie du auch schon erwähnt hast, meine Investments in Richtung ETF umschichten.

    Gruß
    Johannes

    Antwort

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