Sparen mit Kopf und Verstand

Mein letzter Artikel hat sich um die Gamifikation gedreht – Dauerhaft Geld sparen mit der Gamifikation. Es ging darum, den Spieltrieb zu wecken. Sparen gelingt nur, wenn es dir Spaß macht. Um erfolgreich zu sparen, musst du Spaß dabei haben. Ich hätte es mir ja fast denken können, natürlich kamen die Fragen, wie ich denn genau Sparen würde.
Deshalb hier die Antwort für Alle!



Sparen ist nicht gleich Sparen

Wir haben ein Auto. -Der erster Fehler!
Es sind sogar zwei Autos. -Gott bewahre!
Wir haben ein Haus. -Um Himmels willen!

… und so einer will uns jetzt Spartipps geben?
Ich weiß, der ein oder andere Hardcore-Sparer wird sich nun denken, in dem Kontext ist Sparen unmöglich. Aber es geht … trotz Auto, trotz Haus 😉

Wie im letzten Artikel – Dauerhaft Geld sparen mit der Gamifikation erwähnt, ist das Thema „Sparen“ eine sehr persönliche Sache. Jeder legt den Fokus anders.
Unsere Autos sind „günstig“ gekauft. Beides waren Gebrauchtwagen. Wir wohnen ländlich und sind auf zwei Autos angewiesen. Was bringt es mir daher, aus Spargründen, auf das Auto zu verzichten, wenn ich dadurch mein Leben radikal zum Nachteil ändern würde? Natürlich würden wir richtig Geld sparen, wenn wir ein Auto verkaufen würden. Aber dann würde ich nicht mehr auf die Arbeit kommen, bzw. meine Frau würde den ganzen Tag ans Haus gebunden sein.
Natürlich würde es mit einem Auto gehen, keine Frage. Aber diese Einschränkung würde unser tägliches Leben erheblich einschränken. Damit würde uns das Sparen an dieser Stelle, keinen Spaß machen.

Genauso unser Haus, das gehört zu unserem Lebensgefühl, genauso wie das Leben „auf dem Land“. Viele verteufeln es ein Haus zu besitzen, zu teuer und zu viel Risiko. Deshalb ein sehr schönes Beispiel, wie individuell das Sparen ist und wie wichtig es ist, Geld zu sparen, da wo es dir Spaß macht. Von daher bin ich der Meinung, wenn das Haus bezahlbar ist und du es dir leisten kannst, warum also nicht?

Spare da, wo du es magst und nicht da, wo andere es dir vorschreiben!

Sparen mit Kopf und Verstand

Da ich dein „Lebensgefühl“ nicht kenne, möchte ich hier auch keine Liste mit Spartipps runter rattern, dafür gibt es genug Listen bei Google.
Wichtig ist, dass unterm Strich etwas übrig bleibt. Bleibt etwas übrig, dann hast du gespart und dein Ziel erfüllt. Nun geht es an die Optimierung, sodass beim nächsten Stichtag noch mehr übrig bleibt.
Meine Spartipps sind nicht unbedingt auch gute Spartipps für dich. Zum Beispiel:

  • Ich rauche nicht.
  • Ich trinke wenig bis gar kein Alkohol.

Mit den beiden Vorschlägen können die Raucher und Biertrinker nun herzlich wenig anfangen. Ein Raucher weiß, dass Zigaretten teuer sind und er Geld sparen könnte. Genauso wie der Bierkäufer weiß, dass Bier nicht zu den billigsten Getränken zählt.
Es soll Leute geben, die trinken nur Leitungswasser. Das wäre mir persönlich dann auch wieder zu viel des Guten. Aber Getränke sind teuer, von daher definitiv ein Spartipp. Ein Tipp, der aber nicht für jeden geeignet ist.

Bei der Recherche für diesen Artikel habe ich einen Beitrag gelesen, wo Leute die Flüssigseife zum Händewaschen, mit Wasser strecken, damit diese länger hält. Andere verzichten auf Regale und Schränke und „verwalten“ ihr Hab und Gut in Bananenkisten und Kartons und sparen somit nicht nur Möbel, sondern auch die Hausratsversicherung.
Das sind sicherlich Spartipps für ganz harte Sparer und für mich persönlich wären die Tipps nichts. Das würde nicht zu meinem persönlichen Lebensstil gehören. Ich spare daran, dass ich meine Möbel bei IKEA & Co kaufe und nicht auf einer Hülsta Couch sitze. Aber ein Billy-Regal ziehe ich dann doch einem Karton vor, auch wenn ich mit dem Karton noch mehr sparen könnte.

Ich hoffe, es wird klar, auf was ich hinaus möchte. Um erfolgreich zu sparen, brauchst du keine 99 Tipps. Du brauchst eigentlich nur etwas Motivation deine Kosten einmal auf den Kopf zu stellen (das passive Haushaltsbuch) und Bereiche suchen, bei denen du sparen willst! Dadurch hast du Erfolg und mit dem Erfolg, kommt die Motivation und der Drang besser zu werden.
Das Sparen muss in deinen Alltag passen, wenn du dich verbiegen oder dich zu sehr verändern musst, dann wird es nicht von langer Dauer sein.

Bereiche, bei denen ich gerne spare und die ich für jeden nützlich halte sind:

  • Strom- und Gastarife vergleichen und regelmäßig wechseln
    Ich habe beim letzten Wechsel, zu einem günstigeren Anbieter, eine 220 Euro Barauszahlung erhalten! Für 15 Minuten Zeitaufwand.
  • Versicherungen
    Es lohnt sich (fast) immer die Versicherungen regelmäßig bei Check24 oder ähnlichen Anbietern zu überprüfen. Der Aufwand ist sehr gering und die Ersparnisse summiert sich schnell.
  • Telefon- und Internet
    Vor allem in größeren Ballungszentren ist die Auswahl an Anbietern riesig und ein Wechsel kann sich lohnen.
  • Online Preise vergleichen
    Das ist mein Gamifikation Sucht Programm: Der Online-Preisvergleich. Es wird nichts angeschafft, bevor nicht im Internet die Preise verglichen werden, zum Beispiel bei günstiger.de oder billiger.de.

Schnäppchen Portale

Neben dem Online Preisvergleich gibt es noch die Schnäppchenportale wie Mydealz.de oder Monsterdealz.de. Das sind Webseiten, die den ganzen Tag nur am Schnäppchen sammeln sind. Unsere letzten Elektrogroßgeräte wie TV, Trockner, Waschmaschine wurden nach der Schnäppchenverfügbarkeit der Portale angeschafft. So lässt sich richtig Geld sparen.

Aber hier ist man bereits wieder in einem Bereich, der einem Spaß machen muss. Dieser Tipp ist sicherlich nicht für jeden etwas. Zudem muss man hier aufpassen! Schnäppchen Seiten können einem beim Sparen helfen, da teilweise wirklich sehr gute Angebote dabei sind. Man muss aber standhaft bleiben, da solche Angebote auch oft zum (sinnlosen) Konsumieren verleiten können. Hier hilft der Warnspruch „Erst denken, dann kaufen“.

Finde deine eigenen Sparpoteniale

Wir haben, für uns, noch weitere Sparpotenziale gefunden. Aber du wirst sehen, es wird immer persönlicher und individueller.

  • wir haben SAT und keinen Kabelanschluss
    Eine Sat Schüssel kann nicht jeder anbringen, manche sind an Kabel gebunden.
  • wir haben kein Sky, sondern Netflix
    Für echte Fußballfans natürlich kein Sparpotenzial
  • Netflix und Prime Video statt DVDs und Videothek
    Die Videothek hat sich verabschieded und der DVD/BluRay Konsum sank auf null.
  • Spotify statt CDs
    Die letzten 5 Jahre haben wir keine einzige CD mehr gekauft. Dank der Family Option lassen sich zudem die Kosten weiter drücken. Vor allem auch für Kinder eine tolle Fundgrube.
  • wir haben keine teuren Hobbys wie Golfen, Fallschirmspringen oder ähnliches
    Einem Golfer wird sicherlich bewusst sein, dass sein Hobby teuer ist.
  • Geldgeschenke sofort sparen
    Gar nicht erst überlegen, wie man diese Ausgeben könnte.
  • Handyverträge
    Wir geben keine 50, 60 oder mehr Euros für Verträge aus.
  • Kleidung
    Wir tragen keine teure Markenkleidung.
  • kostenlose Konten und Kreditkarten
    Wir sind bei einer Direktbank und zahlen weder für das Konto noch für die Kreditkarte (Liebe Sparkasse).
  • Kleinanzeigen / Flohmärkte
    Grade für Babys und (Klein)Kinder lassen sich bei Spielzeug, Kleidung, Ausstattung, usw. richtig Geld sparen.
  • Deutschland Card / Payback
    Lange hab ich das Zeug verteufelt. Aber mit Edeka und Netto ums Eck, hat sich die Deutschland Card zum testen angeboten. Damit wird man sicherlich nicht reich aber da sammelt sich schon Guthaben an.
  • Zeitschaltuhren und LED / Energiesparlampen
    Beleuchtung und Elektrogeräte lassen sich gut mit Zeitschaltuhren steuern, vor allem TV/SAT/STEREO. Zudem können sich LED oder Energiesparlampen lohnen. Wir haben vor 3 Jahren unseren Halogen Deckfluter im Wohnzimmer gegen eine LED Version ausgetauscht. Mit dem Ergebnis, dass der LED Fluter 20 Watt braucht und der Halogenfluter bei >200 Watt. Auch ist das Licht bei weitem nicht mehr so grell und kalt wie früher.
  • gebräuchliche Heiz-Regeln befolgen
    Nicht zu lange Fenster auf, Zimmertüren schließen, Nachtabsenkung einstellen, Heiztemperatur optimieren…

Es gibt beim Sparen nicht den einen Weg. Als Student oder Azubi kann man noch bei Mutti wohnen. Oder es stört einen nicht, in seinem WG Zimmer auf einer Matratze auf dem Boden zu schlafen und mal die Würstchen im Wasserkocher heiß zumachen.
Hier hat man ganz andere Sparpotenziale wie z.B. ein alleinverdienender Familienvater. Wichtig ist immer, dass du dir deine Ausgaben bewusst machst. Für die erste Zeit lohnt es sich immer, ein Haushaltsbuch zu führen (das passive Haushaltsbuch). Wirklich, das hilft ungemein. Ja es ist initial etwas arbeit, aber es lohnt sich. Auch wenn du denkst, du hast einen Überblick. Schreib dir das auf, die Kosten zu visualisieren hilft.

Setz dir Ziele und belohne dich

Du solltest dir ein ungefähres Ziel vor Augen führen, was du erreichen möchtest. Ich werde bald 36, verheiratet, Kinder. Finanzielle Freiheit kann ich mir abschminken. Monatliche Sparraten von 40%-50% – meilenweit von entfernt.
Ist das schlimm? – Nein, überhaupt nicht.
Denn darum geht es gar nicht. Mein Fokus liegt auf einem Zubrot für die Rente und einem Polster für die Kinder.
Würde ich sparen mit dem Ziel die finanzielle Freiheit zu erreichen und nur von Zinsen leben zu können, dann wäre ich in wenigen Monaten total demotiviert. Mein Ziel ist es, vielleicht ein paar Jährchen früher in Rente gehen zu können.



Fazit

Von daher mein Tipp an dich, überlege, was du erreichen möchtest. Bleib dabei vor allem realistisch. Bist du 20 Jahre jung, hast du ganz andere Chancen und Möglichkeiten wie mit 40. Setze dir Ziele, die realistisch sind und dich motivieren.

Erlaube mir, dir noch einen zweiten Ratschlag zu geben. Sei nicht zu verbissen. Wenn du Erfolge beim Sparen hast, dann gönne dir auch mal was. Wenn du nach „finanzielle Freiheit“ googelst, findest du Blogs, wo verbissen gesparrt wird. Mit monatlichen Sparraten, wo man sich echt fragt, wie man so etwas schaffen kann.
Denk aber dran, Geld allein ist nicht alles. Gönne dir hin und wieder Dinge, die dir Spaß machen und die nachhaltig für dich sind. Mir fallen da spontan immer Urlaube ein. Nach dem Zivildienst bin ich mit einem Kumpel 6 Wochen mit einem Camper durch Australien. Ich weiß noch, was ich für einen Kampf mit meinen Eltern hatte wegen dem Geld. Diese wollten, dass ich das Geld für mein Studium spare. Im Nachhinein war es einer der besten Entscheidungen. Selbst heute, nach 16 Jahren, denke ich oft und gerne an die Reise, die Erlebnisse und die Eindrücke zurück.

Ich will mir damit nicht selbst widersprechen. Ich spreche nicht davon, dass du sinnlos Geld ausgibst. Aber mal die Fünf gerade sein lassen und sich zu belohnen ist wichtig.

 

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10 Gedanken zu „Sparen mit Kopf und Verstand

  • 28. April 2017 um 12:22
    Permalink

    Hallo Hobbyinvestor,
    vielen Dank für den tollen Artikel. Ein schöner Nachtrag zu dem Gamifikation Bericht.
    Erfrischend mal einen Artikel über das Sparen zu lesen, der nicht so bierernst ist.
    Wir genießen unsere Hobbys und das Reisen. Dafür verzichten wir auf ein Haus. Wie du schon sagst, jeder muss seinen Weg finden. Was bringt es, nur die finanzielle Freiheit zu erreichen und dann wird man schwer krank?Jahre im Verzicht gelebt und viele Schönheiten des Lebens liegen lassen … vergebens.

    Antwort
    • 28. April 2017 um 17:32
      Permalink

      Vielen Dank für das Feedback!
      Ich war mir erst unsicher ob und wie so ein Artikel ankommt.
      Natürlich lese auch ich viele Finanzblogs und mich hat es immer mehr gestört, wie verbissen machen der „Finanziellen Freiheit“ nachjagen. Ich will niemandem zu Nahe treten aber manchmal könnte man den Eindruck gewinnen, dass hier und da vergessen wird „zu leben“.

      Antwort
  • 28. April 2017 um 13:27
    Permalink

    Alles richtig gemacht würde ich sagen. Guter Artikel. Australien (oder in meinem Fall Neuseeland) rockt.

    Wir wohnen auch in einem Haus (pfui), 175qm (pfui!), Neubau (Pfui), haben zwei Autos (PFUI), eins davon ein Neuwagen (PFUI!), dazu noch eine Ehe ohne Ehevertrag (Argh!) und drei Kinder (jetzt ist die Welt sicher für einige untergegangen, sorry) die unglaublich viel Geld kosten. Es ist unfassbar, aber wir sind glücklich und sparen trotzdem fleißig. Enjoy life!

    Mit 40 aufhören zu arbeiten wird so allerdings nicht klappen, das ist mir auch klar…

    Antwort
    • 28. April 2017 um 17:33
      Permalink

      Ja, mit 40 wird das nix. Aber danke für die Rückmeldung, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine dastehe. Man kann trotz Kinder, Frau und Haus sparen.
      Freut mich, dass ich kein Einzelfall bin 🙂

      Antwort
  • 28. April 2017 um 14:10
    Permalink

    Schon komisch so einen Artikel zu lesen. Warum? Der wirkt irgendwie so vernünftig!
    Das ist man zwischen den typischen Finanzblog-Artikeln zum Thema sparen gar nicht gewohnt – wird doch meist mit erhobenem Zeigefinger und strengem Blick (den bereitgehaltenen Rohrstock hinter dem Rücken sieht man ja zum Glück nicht) die einzig wahre Form des Extremsparens als ultimativer Weg in die finanzielle Glückseligkeit gepredigt…

    Antwort
    • 28. April 2017 um 17:38
      Permalink

      Wie schon bei meiner Antwort für Mirijam, ich hab echt lange überlegt. Auf der einen Seite sind diese Predigten ja alle richtig. Sparen ist wichtig und richtig.
      Meiner Meinung nach ist es aber genauso wichtig, dass man seinen persönlichen Mittelweg findet. Die Finanzielle Freiheit erreichen zu wollen, ist schön und gut. Aber jeder, der dieses Ziel verfolgt, sollte im Blick haben, dass die Jahre des eisernen Sparens nicht zurück kommen.
      Vielleicht kleinere Brötchen backen? Nur weil das Brötchen kleiner ist, muss es ja nicht schlechter schmecken!

      Antwort
  • 29. April 2017 um 17:05
    Permalink

    Seife mit Wasser strecken, klingt total schrecklich, wenn ich das lese. Aber so, wie du auch, bin ich der Meinung: Man sollte da sparen, wo es einem nicht weh tut. Wenn man nun mal auf schicke Schuhe, Autos, Rauchen, Bier, Häuser oder was auch immer steht, ist das kein Problem. Man sollte nur da Abstriche machen, wo man es eh nicht merkt und sich nicht alle teuren Hobbys, die es auf der Welt gibt, anlachen. Deswegen ist das ein sehr vernünftiger Beitrag.

    Aktuell habe ich kein Auto und kein Haus, damit ich es mir später mal ohne schlechtes Gewissen leisten kann.

    Liebe Grüße
    Jenny

    Antwort
    • 2. Mai 2017 um 20:09
      Permalink

      Hi Jenny,

      danke für dein Kommentar. Ich drück dir die Daumen, dass du irgendwann mit ruhigem Gewissen ein schönes Häuschen findest.

      Antwort
  • 2. Mai 2017 um 14:15
    Permalink

    Toller Artikel und nicht der ständige Einheitsbrei!
    Ich spare auch da, wo ich es möchte und wohne auch in einer eigenen Immobilie.

    Antwort
  • Pingback: Sparen im Haushalt – Der Finanzfisch

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